innen II

Licht als Instrument der Modulation und Manipulation

By muchina, Januar 15, 2017

Halle 6, München, 2016

Konzept  Maria Berauer, Anna-Cathérine Koch, Michaela Muchina  Performance/ Licht  Maria Berauer, Michaela Muchina  Objekt  Michaela Muchina  Kuration/ Produktion  Anna-Cathérine Koch  Kamera  Thomas Brekle  Video  Maria Berauer

www.neolicht.org

www.halle6.net/maria-berauer

 

In dieser gemeinsamen Arbeit modelliert eine Choreographie der An- und Abwesenheit von Licht eine aktive Körperlichkeit im Raum. Das Licht wird zum Instrument einer punktuellen Sichtbarkeit, die konstruiert und dekonstruiert, zeigt und verbirgt. Nähe und Distanz zum Wahrgenommenen gilt es als Betrachter stets aufs Neue auszuhandeln und das Gefühl von Fremdheit und Vertrautheit zu hinterfragen. Licht, Dunkel, Raum, der Körper, seine Beschaffenheit, Oberfläche, Bewegung und sein Klang werden zu Protagonisten dieser performativen Untersuchung.

Ein durch den Raum gelenktes Licht deutet die Plastizität einer Gestalt an. Wir beginnen uns an das Gesehene heranzutasten – Oberflächen und Strukturen zu erahnen, Ausdehnungen und Gerichtetheiten zu entziffern. Das Auge will sehen – die Momente der Ungeklärtheit gilt es auszuhalten.

Der Dialog kontrolliert gesetzten Lichtes zwischen Körper und Raum, Abfolge und Gleichzeitigkeit von Anleuchten und Herausleuchten, offenbart stets eine neue Erfahrung von Körperlichkeit. Mal erscheint sie abstrahiert, mal gegenständlich, wird für einen Moment fassbar und löst sich wieder auf. Vielfältigste Assoziationen werden geweckt und gleichsam hinterfragt – Ist es Mensch oder Tier, Maschine oder Mensch?

Das Licht modelliert und fragmentiert einen umhüllten Körper. Seine „zweite Haut“, eine mit Beton bearbeitete Stofflichkeit, öffnet sich ausschnitthaft dem Betrachter und gibt Eindrücke des Menschlichen frei – Hände – mal weiß, mal schwarz -, Zunge, Ellbogen brechen aus ihr hervor. Es sind Fragmente des Sichtbaren, die sich zusammensetzen und die Idee eines Körpers im Körper begründen. Die Grenzen der Sichtbarkeit, immer wieder aufs Neue umgesteckt, stellen das Vertrauen in und die Erwartung an die eigene Wahrnehmung auf die Probe.

Der Körper antwortet in einer Abfolge von Ruhe und Bewegung dem von Außen auf ihn gerichteten Licht. Von Innen heraus wird das Licht nun durch Öffnungen und Schlitze der Umhüllung gelenkt und streift die Oberfläche des Körpers und die des ihn umgebenden Raumes. Das Licht scheint hier wie Bewegung und Klang an den Körper gebunden. Es konzentriert und fokussiert Bewegungsmomente, lässt den Körper glühen oder sich in der expressiven Handlung seines Trägers durch den Raum schleudern. Die Vorstellung des Raumes, seiner architektonischen Erscheinung und seiner Distanzen sind an den Körper und seine vielfältigen Bewegungen gebunden – an die Fragmente des Sichtbaren sowie an den kreierten Moment des Klangs, welcher durch die Bewegung oder sich überlagernde und aneinander sowie am Boden reibende Stoffflächen entsteht.

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Licht und Klang definieren zwei sich verändernde und rhythmisch austauschende Ankerpunkte, zwischen denen sich unser Wahrnehmungsraum aufspannt und das Dunkel – das Dazwischen – offenbart sein Potential als sich stetig wandelnder Möglichkeitsraum. Die Untersuchung der „zweiten Haut“ durch den Körper findet seinen Endpunkt im Abstreifen dieser Umhüllung. Der Körper scheint sich im Schein des Lichtes noch einmal seiner selbst zu Vergewissern, bevor er den Lichtkegel auf den Betrachter richtet und ihn selbst zum Akteur des komplexen Beziehungsgeflechtes von Licht, Raum, Bewegung und Klang werden lässt. Ein rotes, pulsierendes Wesen markiert Anfang und Ende. Es atmet, ist lebendig – von ihm geht alles aus und zu ihm geht es auch wieder zurück.

Anna-Cathérine Koch

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Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München